Sterben für Mitrovica"Dann wird das Paradies zur Hölle"
Dieter Buhl
Feb. 2000
Die Szenen der Gewalt erleben wir jeden Abend im Fernsehen: Drohungen und Steine gegen die Soldaten der KFOR in Mitrovica. Friedenstruppe? Serben und Albaner lassen ihren Zorn auf die internationale Streitmacht niederprasseln, als sei sie ihr bösester Feind.Für die Serben sind das die fremden Truppen tatsächlich. Die Bomben der Nato und die Vertreibung aus dem größten Teil des Kosovo brennen weiter als Schmach in serbischen Seelen. Und Milosevic im fernen Belgrad schürt das Feuer. Er will Mitrovica als offene Wunde, als Bühne für das Versagen von KFOR, vielleicht sogar als Brückenkopf für einen neuen Krieg.
Die Albaner spielen dem serbischen Diktator in die Hände. Weil sie mit blinder Wut in den serbischen Norden der Stadt drängen, gerät KFOR zwischen die Fronten - hilflos und extrem gefährdet. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, wann die ersten Soldaten zu Opfern der feindlichen Mobs werden.
Sterben für Mitrovica? Gefahr für Leib und Leben stand von Anfang an als Menetekel über der Kosovo-Mission. Jetzt zeigt sich, dass auch 50000 Soldaten und 2000 Polizisten keinen Frieden garantieren können. Hass läßt sich nicht durch eine Ordnungsmacht überwinden. Er wird Serben und Albaner noch lange gegeneinander treiben - unerbittlich, gnadenlos.
Das friedliche Zusammenleben der beiden Völker wird bleiben, was es seit Jahren ist: eine Illusion. Nur die Trennung kann Ruhe - wenn auch beileibe keine Frieden - bringen. Ethnische Säuberung? Wenn nur die Umsiedlung der wenigen Albaner aus dem Norden Mitrovicas und der serbischen Diaspora in albanisch dominierten Regionen die Eskalation der Gewalt verhindert, hilft keine Scheu vor dem Unwort. Tote Soldaten wären schlimmer. Sterben für Mitrovica könnte den Anfang vom Ende der Kosovo-Mission bedeuten.