Die Welt
Neues Gift gibt Theiß den Rest

Schon wieder verseucht Bergwerks-Schlamm Flüsse in Osteuropa - Umweltminister fordert Umdenken

Montag, 13. März 2000


Bukarest - Nach dem erneuten Giftunfall in einem rumänischen Bergwerk bahnt sich am Fluss Theiß eine weitere Umweltkatastrophe an. Nur knapp sechs Wochen nach dem Giftunfall von Baia Mare, bei dem 100 000 Kubikmeter zyanidhaltigen Wassers in die Theiß gelangt waren, droht diesmal eine Vergiftung durch Schwermetalle. Nach heftigen Regenfällen und Schneeschmelze brach am Freitag in der Zink- und Bleimine Baia Borsa auf 25 Metern Breite ein Damm, 22 000 Tonnen mit Schwermetallen verseuchten Schlamms gelangten in den Fluss Vaser, der in die Theiß mündet.

Die rumänischen Behörden betonten zwar, der größte Teil der Giftbrühe habe sich direkt unterhalb des Dammes und in einem Abklärbecken abgesetzt, die Behörden in Kiew meldeten jedoch am Sonntag erhöhte Schwermetall-Konzentrationen im ukrainischen Theiß-Abschnitt. Durch das Gift wurde auch ein 150 Kilometer langer Abschnitt der Theiß verseucht, der von der Zyanidkatastrophe von Baia Mare verschont worden war.

Der bei dem Unfall ausgetretene Schlamm war vor allem mit Blei, Eisen und Zink verseucht. Zyanid war nach Angaben der rumänischen Behörden nicht enthalten. Zu einem massenhaften Fischsterben wie vor sechs Wochen kam es bislang nicht. Experten warnen jedoch, dass Schwermetalle im Vergleich zu Zyanid wesentlich langsamere, jedoch länger anhaltende Auswirkungen auf die Umwelt haben, da sie sich am Grund der Wasserläufe absetzen. Nach Angaben rumänischer Umweltschützer liegen die Schwermetallkonzentrationen in Vaser und Theiß nach dem Unfall bis zu neunfach über den Grenzwerten.

Die Bundesregierung schickte am Sonntag ein fünfköpfiges Expertenteam nach Bukarest. Auch ein mobiles Labor zur Messung der Giftkonzentrationen im Wasser sollte nach Rumänien geschickt werden. Unterdessen hat Rumäniens Umweltminister Romica Tomescu erstmals zu einem Umdenken in der rumänischen Umweltpolitik aufgerufen und mit der Schließung von maroden Förderanlagen gedroht. Bei einer Dammbesichtigung beschuldigte er die staatliche Mine, Umwelt-Auflagen nicht eingehalten zu haben. In Baia Borsa arbeiten 2 400 Menschen. Die Kosten für eine Modernisierung der zahlreichen maroden Minenmüllbecken in der Region beziffert das Umweltministerium auf 44 Milliarden Mark.

Ungarn, wo die Theiß in die Donau fließt, kündigte an, die Vereinten Nationen und die Europäische Union zu ersuchen, die Region zu überwachen. Ein Sprecher der Budapester Regierung, sagte, der Unfall sei vor allem deswegen so bedenklich, da bisher unbelastete Teile der Theiß betroffen seien. Ministerpräsident Viktor Orban sagte, falls ähnliche Schäden in Zukunft nicht vermieden würden, wolle sein Land rechtlich gegen Rumänien vorgehen.



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