Muenchener Merkur
Ostermarschierer wollen an Kosovo-Krieg erinnern

17.04.2000


Frankfurt/Main (dpa) - Die Erinnerung an den Kosovo-Krieg vor einem Jahr steht im Mittelpunkt der diesjährigen Ostermärsche. In mehr als 30 Orten sind Veranstaltungen geplant.

Anhänger der Friedensbewegung wollen damit auch gegen künftige Beteiligung der Bundeswehr an NATO-Kampfeinsätzen demonstrieren. Das Ostermarschbüro im Frankfurter Gewerksschaftshaus erwartet Tausende von Teilnehmern.

Am Karfreitag sind Kundgebungen in Dortmund und im hessischen Bruchköbel geplant. In Leipzig startet eine dreitägige Fahrradtour, die unter dem Motto «Krieg dem Kriege» ins sächsische Schneeberg führt, wo Krisenreaktionskräfte der Bundeswehr stationiert sind. Am Samstag haben regionale Veranstalter zu Kundgebungen in Augsburg, Bremen, Duisburg, Lüdenscheid, Mainz, München, Rostock, Saarbrücken, Suhl, im baden-württembergischen Überlingen und im holsteinischen Wedel aufgerufen. Auch im schweizerischen Basel ist eine Veranstaltung geplant.

Am Ostersonntag startet eine zweite Fahrradtour von Essen aus durch das Ruhrgebiet. Die Teilnehmer fordern: «Atomwaffen abschaffen.» Ein anderer Schwerpunkt am Ostersonntag ist die Heide. Dort wird an verschiedenen Orten «für eine atomwaffenfreie Heide» demonstriert.

Am Montag sind Ostermärsche in zahlreichen großen Städten geplant. Unter dem Motto «Eine Welt ohne Krieg, ohne Waffen wollen wir!» wollen Menschen in Berlin, Dortmund und Düsseldorf auf die Straße gehen. In Frankfurt/Main heißt es: «Wir bleiben dabei: Schluss mit Rüstung und Krieg», in Hamburg fordern die Teilnehmer «Bundeswehr abrüsten!» und «Keine deutschen Waffen an die Türkei!», in Kassel heißt es «Deutsche Politik muss Friedenspolitik werden!». Auch in München, Nürnberg und Stuttgart sind Ostermarsch-Aktionen geplant.

Die Ostermarsch-Bewegung entstand vor gut 40 Jahren in London. In ihren Hoch-Zeiten demonstrierten Hunderttausende gegen die atomare Rüstung. Als geistiger Vater gilt der britische Philosoph Bertrand Russel. Im vergangenen Jahr gaben der Kosovo-Krieg und der Bundeswehreinsatz auf dem Balkan der Friedensbewegung in Deutschland neuen Auftrieb. Zu den traditionellen Ostermärschen gingen schätzungsweise 50 000 Demonstranten auf die Straße.



Original article